„Unglaublich, wie die Zeit vergeht!“

„Unglaublich, wie die Zeit vergeht!“

Sebastian Wiese über die Anfänge, was ihn bis heute am Amtshaus fasziniert und worauf sich seine Gäste im Jubiläumsjahr freuen dürfen.

Sebastian Wiese ist kein Freund vieler Worte, das weiß jeder, der den sympathischen Sternekoch kennt. Auf das 20-jährige Jubiläum des Amtshaus angesprochen, sprudelt es jedoch nur so aus ihm heraus. „Unglaublich, wie die Zeit vergeht“, sagt der Küchenchef und schüttelt leicht den Kopf. Dass es das Amtshaus in seiner heutigen Form überhaupt gäbe, sei allein Prof. Reinhold Würth zu verdanken: „Er und seine Frau unternahmen 1992 eine sommerliche Ausfahrt durch das Jagstal“, erzählt er, „dabei wurden sie auf das heruntergekommen, leerstehende Gebäude aufmerksam.“ Bereits zwei Wochen später gehörten das Amtshaus und die ehemalige Pfarrscheuer, die heute den Frühstücksraum beherbergt, zur Würth-Gruppe – gekauft mit der Absicht, es zu renovieren, allerdings noch ohne jeden konkreten Nutzungsplan.

„Zwei Jahre später wurde entschieden, das Amtshaus zum Gästehaus der Firma Würth umzubauen“, berichtet der Sternekoch weiter, „und jedes Zimmer bekam eine Küchenzeile, damit sich die Gäste selbst versorgen konnten.“ Die Renovierungs- und Ausbauarbeiten begannen 1995, die feierliche Eröffnung fand 1997 statt. Nur wenige Monate später nahm das Restaurant unter der Leitung von Olaf Pruckner seinen Betrieb auf. „Mein damaliger Chef“, erinnert sich Sebastian Wiese, „er hat 1999 den ersten Stern für den „Amtskeller“ erkocht.“ 18 Mal in Folge wurde diese Auszeichnung bisher bestätigt, seit 2008 unter dem neuen Küchenchef und Pruckner-Nachfolger Sebastian Wiese. Für das Jubiläumsjahr haben er und Gastgeber Jürgen Alt so einiges ausgedacht, was genau, wird noch nicht verraten. Nur soviel: „Wir werden unseren Gästen viele Veranstaltungen bieten, darunter einen Tag der offenen Tür im April.“ Zum Schluss noch eine persönliche Frage an den Küchenchef, der 2018 sein 10-jährigens Jubiläum im Amtshaus feiert: Was berührt ihn, wenn er all die Jahre Revue passieren lässt? Sebastian Wiese muss nicht lange nachdenken: „Ich denke mit viel Freude an unsere Sommerfeste zurück. Sie gehören ganz einfach zum Amtshaus dazu. Außerdem freut es mich, wie viele hervorragende Mitarbeiter in dieser Zeit bei uns gearbeitet haben. Ihnen möchte ich bei dieser Gelegenheit einmal ganz herzlich danken. Und was auch besonders schön ist: Viele unserer Gäste sind vom ersten Tag an dabei und haben uns die letzten 20 Jahre begleitet. Es ist irgendwie auch ihr Jubiläumsjahr.“

Das Amtshaus in Ailringen – eine kleine Chronik

  1. – um 1580 Errichtung des Gebäudes
 durch den Deutschorden
  2. – bis 1780 Amtssitz des Deutschordens
  3. – bis 1800 Nutzung als Unterkunft für Beamte, als Lager und Kelter
  4. – 1801 Übergang in württembergischen Besitz
  5. – 1920 Eintragung in das Landesverzeichnung der Baudenkmale
  6. – Ende der 1940er Jahre Nutzung als Kinderschule
  7. – Anfang der 1990er Jahre drohender Verfall des leerstehenden Gebäudes
  8. – 1992 Ankauf durch die Würth-Gruppe
  9. – 1995 Beginn der Um-, Ausbau- und Renovierungsarbeiten zum „Gästehaus der Würth-Gruppe“
  10. – 4. November 1997 offizielle Einweihung des Gästehauses
  11. – April 1998 Eröffnung des Restaurants
  12. – 1999 erkocht Küchenchef Olaf Pruckner den ersten Michelinstern und wird von Gault Millau mit 16 Punkten ausgezeichnet
  13. – 1999 Der Dalai Lama speist und übernachtet im Amtshaus
  14. – 2011 Komplettrenovierung der Zimmer und Suiten sowie des Restaurants
  15. – seit Herbst 2015 leiten Sternekoch Sebastian Wiese und Gastgeber Jürgen Alt das Amtshaus in Ailringen gemeinsam
  16. – 2017 wird das Restaurant „Amtskeller“ zum 18. Mal in Folge mit einem Stern ausgezeichnet